Voicemüll

MüllOuttakes gibt es nicht nur beim Film. Auch in der Sprecherkabine wird mitunter ein ganze Menge Stuss geredet. Wenn wir etwas mehr Zeit fänden, könnten wir aus dem Voicemüll unserer Sprecherinnen und Sprecher vermutlich ein wunderschönes Hörspiel zaubern. Um Ihnen einen kleinen Eindruck zu vermitteln, was bei Sprachaufnahmen so alles schief gehen kann, hier ein kleiner Zusammenschnitt: 

Ein Mann sieht Brot – Der Bäcker als Revoluzzer

Arminius

Cheruskerfürst Arminius

Das Lipperland. Friedvoll bettet es sich ein, in die Hügel zwischen Weserbergland und Teutoburger Wald. Historische Fachwerkhäuser und fruchtbares Ackerland prägen die Idylle dieser Region. Doch hoch oben über dieser Landschaft – die wie geschaffen anmutet, als Vorlage für die Gestaltung einer Eisenbahnplatte – hoch oben über eben dieser malerischen Region im Herzen der Republik, reckt Arminius sein Schwert in den ostwestfälischen Himmel. Als wolle er uns mahnen: Treibt es nicht zu weit mit den Teutonen!

Und so scheint der Geist der Helden teutonischen Widerstandes noch heute in den Genen der Lipper versteckt zu sein. Bis er eines Tages hervorbricht, gleich einer Pustel, die es nicht länger hält unter der gereizten Haut.

Ähnlich erging es dann auch dem Biobäcker Meffert aus dem lippischen Lemgo, als er sich wieder und wieder missverstanden fühlte von seinen Kreativen im nahegelegnen Bielefeld. Es ging dem Bäcker gelinde gesagt ganz gehörig auf die Brötchentüte, dass jeder Konzeptvorschlag für seine Radiospots so sehr von Herzenswärme durchsetzt war, die einem die Gehirnmasse erweichen und aus den Ohren triefen ließ.

In der Folge war des Bäckers Botschaft an uns eindeutig: Schluss mit samtweich gespülten Mama-Kind-Dialogen. Vorbei die Zeit übertriebener Harmonie und hochstilisierter Familienidylle. Eine neue Ära für die Werbung lippischer Traditionsbackwaren sei angebrochen. Lasst Euch was einfallen! Macht es anders! Seid mutiger, als die Konkurrenz!

Und so geschah es dann auch:

Heimatfilmkinder im Radio

Familienpass14/15

Tolle Sache: Familienpass Brandenburg

Es klingt schon manchmal sehr extrem, wenn Kinder in der Radiowerbung auftauchen. Immer sind sie wahnsinnig lieb und zuvorkommend, sprechen, als hätten sie schon mindestens drei Rhetorik-Kurse hinter sich. Sie klingen, wie Kinder aus einer vergangenen Zeit.

Sicherlich werden diese Konzepte für Radiospots von Menschen entworfen, die entweder selbst gerade Eltern werden/geworden sind oder die vor langer Zeit einmal Kinder großgezogen haben. In der Realität sind diese Leute jedoch wohl nicht wirklich zu Hause – klingen die Kinder in vielen Spots doch meistens wie Buben und Mädels aus Heimatfilmen der 1950er Jahre. Radiowerbung sollte sich so nah wie möglich an der Realität bewegen und Kinder wie Erwachsene gleichermassen authentisch klingen lassen. Besonders unglaubwürdig werden Radiospots, wenn in den als Earcatcher dienenden Stories die Protagonisten sehr werblich werden und dazu noch Absender und Produkte übermässig betonen. Dies sollte der Part der Off-Simme am Ende der Spots sein. Somit wird die Story nicht zerstört und bindet den Hörer wesentlich schneller an den Werbenden – Erfolg stellt sich deutlich früher ein. Wie Radiospots mit Kindern klingen können, bringt unser Beispiel “Familienpass Brandenburg” zu Gehör.

Vor lauter SEO das M vergessen

Suche Schlafsofa

Suche nach „Schlafsofa“

Eine tolle Idee hatten die Nerds, als sie eine Reihe erfrischender Softdrinks kreiert hatten. Label, Logo und Verpackung haben sie fix selbst gestaltet, ebenso den Webauftritt. Wofür sonst sind sie in die Nerd-Lehre gegangen. Schnell noch über Crowdfunding ein paar tausend Euro eingesammelt und der Auftrag an den Abfüller konnte erteilt werden. Während die Limo in die Flaschen plätscherte, setzten sie sich schon einmal mit den iPads in die stylische Beach-Bar und nahmen das unerlässliche SEO in Angriff.

Blöd nur, dass der ganze SEO-Hokuspokus allein nicht funktioniert hat. Die coole Hipster-Zielgruppe, die damit erreicht werden sollte, hat schlicht keine trendigen Softdrinks gegoogelt. Die sind einfach in den Spätkauf und in die Tanke marschiert und haben das Zeug gekauft, das ohnehin schon da war: Bionade, Coke, Fanta, Redbull, Bluna und was sonst noch.

Und so saßen sie nun da, mit ihrem perfekten SEO und den 25.000 Flaschen, deren Inhalt sich in unaufhaltsamen Schritten dem Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums näherte. Die ganze Kohle aus dem Crowdfunding war futsch und für bedarfsweckende Massnahmen war nichts übrig. Marketing adieu.

Ich verzichte jetzt darauf, den Namen des Produktes zu nennen. Denn bald sind die Jungs so dermassen pleite, dass ich das Produkt für ’nen Appel und ’n Ei übernehmen kann…

Ähnlich geht es mittlerweile vielen Unternehmern. Ganz gleich, ob jung oder alt, ob Möbel, Gastro, KFZ-Handel, Softdrink, Snack oder Airline. Allzu häufig wird Online-Nutzung falsch eingeordnet. Es reicht einfach nicht, dass man optimal gefunden werden kann, wenn niemand den Bedarf hat oder der Bedarf nicht geweckt wurde. Wer Flugreisen nach Lappland zum Rentiere streicheln anbietet, sollte es den Menschen mitteilen. Wenn Sie das zehnte Steakhouse in der Stadt eröffnen, dann lassen Sie die Fleischeshungrigen gefälligst wissen, dass es sie gibt und warum es ausgerechnet bei Ihnen besser ist, als beim Argentinier um die Ecke. Und wenn Sie Jahreswagen verkaufen wollen, dann erzählen Sie Ihrer Klientel, warum man ausgerechnet zu Ihnen kommen und damit unter Umständen einen weiteren Weg auf sich nehmen sollte, als zum Jahreswagenhändler im heimischen Gewerbegebiet zu fahren.

Etwas ganz Entscheidendes darf man nie vergessen: Ihre Mitbewerber tummeln sich auf den gleichen Plattformen, wie Sie. Daher sehen Suchergebnisse mittlerweile ähnlich einschläfernd aus, wie die viel verhöhnten „Anzeigenfriedhöfe“ in den Zeitungen der 1990er Jahre.

Ihren USP bzw. Ihr Alleinstellungsmerkmal können Sie beispielsweise im Radio exzellent präsentieren. Denn: Weghören ist nach wie vor schwieriger, als wegschauen.

 

Kamera-Drohne degradiert radiokreaktiv-Soldaten zu Veteranen

Veteran der Filmproduktion: Der radiokreaktiv-Soldat

Veteran der Filmproduktion:     Der radiokreaktiv-Soldat

Wie oft hatten wir Ambitionen, einzelne Szenen für die Filme unserer Kunden aus einer erhöhten Position zu drehen. Und nicht selten sind unsere Ideen allzu großen Hürden zum Opfer gefallen. Vom Dach des Nachbargebäudes zu drehen, scheiterte oft an dem von Sicherheitsvorschriften besessenen Hausmeister – oder wie man neudeutsch sagt: Facility-Manager – und einen Kran zu beauftragen fiel leider häufig den straff kalkulierten Budgets zum Opfer.

Aber der gemeine radiokreaktiv-Soldat wäre nicht der gemeine radiokreaktiv-Soldat gewesen, hätte er nicht hier und da ein kreaktives Ass im Ärmel gehabt. Abenteuerliche Konstruktionen erwiesen sich als hilfreich, entbehrten jedoch nicht gewisser Gefahren. Der eilig vom Nachbarbetrieb ausgeliehene Gabelstapler beförderte Kamera und Kameramann in einigermassen befriedigende Höhen und erlaubte so die Perspektive eine Schwalbe kurz vor dem Gewittersturm. Versicherungstechnisch betrachtet äußerst fragwürdig. Aber im Ergebnis doch recht attraktiv. Für die wohl spektakulärste Aufnahme aus der Vogelperspektive, engagierten wir eigens einen Fallschirmspringer, der mittels Helmkamera mehrere Sprünge aus einem Flugzeug absolvierte, um die gewünschte Einstellung zu filmen.

Vorbei die gute alte Zeit der Improvisation. Was die Streitkräfte westlicher Armeen nutzen, um gegen vermeintliche Bösewichte vorzugehen und was der Polizei zu Unfallaufnahme dient, dient auch den radiokreaktiv-Kunden: Die Drohne. Mit einigem Geschick und zuverlässiger GPS-Peilung manövriert der radiokreaktiv-Soldat des 21. Jahrhunderts die Kamera-Drohne in atemberaubende Höhen und dreht aus der Vogelperspektive eindrucksvollste Bilder für Werbespots und Imagefilme – ohne dabei an starre Positionen gebunden zu sein. Damit gehören die radiokreaktiv-Fusstruppen nun eher zu den Veteranen der Filmproduktion.

Haben Sie auch Schweiz auf der Stirn?

In der März Ausgabe impact zoom von publisuisse berichtet das Magazin über die Werbeanalyse 2013. Mit interessantem Ergebnis aus der TV-Werbung.

Im Untersuchungszeitraum von vier Monaten wurden 36 Fast Moving Consumer Goods beobachtet und das Kaufverhalten verschiedener Kontaktgruppen untersucht. Die im Untersuchungszeitraum 50,5 Millionen Franken Brutto-Werbespendings waren zu 79% auf private und zu 21% auf SRG Sender verteilt. Mit dem Ergebnis, dass jeder SRG-Werbefranken viermal besser investiert war, als die Spendings bei den Privaten.

In ähnlicher Form dürften diese Ergebnisse auch auf Deutschland zu übertragen sein. Für den Bereich Hörfunk bestätigen unsere Kunden schon seit mehr als 15 Jahren, dass sie wesentlich schneller echte (auf die Werbung bezogene) Umsätze nach Schaltung bei den Öffentlichen erzielen, als mit vergleichbaren Kampagnen bei den Privaten.

Die Ergebnisse der Schweizer Studie hier zum Nachlesen (Download): impact zoom März 2014

 

Spotplatz: Das neue Trainingszentrum für Spotler

Rennbahn

Aaauuf die Plätze! Feeeertig!! Los!!!

Ja, es gibt sie: Die Selber-Texter, die Krea(k)tiven, die Radiospotschreiber. Nicht selten erhalten wir Texte von Kunden oder Agenturen mit dem Auftrag, daraus einen sendefähigen Radiospot zu produzieren. Und ebenso oft passiert es, dass die Sendezeiten bereits gebucht sind und somit das Budget schon festgelegt wurde.

Nun sitzen wir hier, vor der Nase einen Text, der ohne Weiteres 38 Sekunden benötigt, um einigermassen sauber zu klingen. Gebucht wurden aber nur 25 Sekunden. Nicht selten geraten Texter dann in echte Erklärungsnot gegenüber ihrem Auftraggeber. Wie sag ich’s meinem Kunden? „Sorry, aber sie müssen wohl auf rund ein Drittel Ihrer Spotschaltungen verzichten.“ Oder: „Tut mir leid, aber all die schönen Wortspielereien, die sie im Spot haben wollten, müssen wir nun leider streichen:“

Damit es gar nicht mehr zu diesen unschönen Szenen oder unangenehmen Erklärungsnöten kommt, haben wir ein Tool entwickelt, das es allen „Spotlern“ da draußen wesentlich erleichtern wird, die richtige Spotlänge zu erreichen: Den Spotplatz!

Spotplatz ist das Trainingszentrum für all diejenigen unter Ihnen, die gut vorbereitet in den Wettbewerb starten wollen. Betreten Sie den Spotplatz, lesen Sie die Trainingsanleitungen, geben Sie Ihren Text in die dafür vorgesehene Maske ein und erfahren Sie sofort, welche Länge Ihr gesprochener Text etwa haben wird.

Warum nur „etwa“?

Nun, Sprecher modulieren unterschiedlich und können durchaus bei einem 20 Sekunden Text um bis zu 2 Sekunden voneinander abweichen. Dennoch wird Ihnen der Spotplatz eine enorme Hilfe sein und unangenehmen Überraschungen vorbeugen.

Spotplatz ist absolut diskret, bedarf keinerlei Anmeldung und wird von GALOMA zur kostenlosen Nutzung angeboten.

Worteboarding

„Sie interessieren mich überhaupt nicht und es ist mir letztendlich völlig egal, was Ihnen wichtig ist. Dennoch sollten wir eine Bindung eingehen und wenn es Ihnen einmal schlecht ergeht, könnte es sein, dass ich Ihnen zur Seite stehe – wenn Sie meine Bedingungen akzeptieren.“

OLYMPUS DIGITAL CAMERAKlingt doch ehrlich, oder? Aber… auch verlockend? Wohl eher nicht. Dennoch trifft dies genau den Stil, dem wir leider allzu oft in der Werbung begegnen. Dabei gehört doch das Werben schon seit Anbeginn des Lebens auf unserem Planeten zu den natürlichen Ritualen, um Gunst und Aufmerksamkeit zu erlangen. Folglich sollte es doch mittlerweile in unseren Genen stecken, dass es unerlässlich ist, sich mit bunten Federn zu schmücken oder einen imposanten Balztanz aufzuführen.

Doch noch immer begehen Werbende und Werber den stets gleichen Fehler und rennen mit der geschlossenen Tür durch das gesamte Haus, in der Hoffnung, auf diese Weise das Wohlwollen der Zielgruppe zu erlangen. Nicht immer ohne Erfolg, doch meistens ohne Nachhaltigkeit.

So sind wir jüngst beauftragt worden, einen Funkspot für einen unabhängigen Versicherungsmakler zu entwickeln. Unser Vorschlag, der sich zunächst mit den angenehmen Zügen des Unternehmens, der langjährigen Fachkompetenz, den Vorteilen der Unabhängigkeit des Unternehmens und dem daraus resultierenden Mehrwert für den Verbraucher beschäftigte, stieß anfänglich auf Ablehnung. Vielmehr wünschte sich der Kunde das klassische Kampfgeschrei „wir-bieten-machen-können“, ohne sich auch nur im Ansatz den Bedürfnissen seiner Zielgruppen zu widmen. Diese Strategie kann jedoch nur Früchte tragen, wenn das Budget für die anschließende Mediaplanung außerordentlich hoch ist. Ist es jedoch notwendig, mit geringem Etat kurzfristig Sympathie und Erfolg zu generieren, geht dieser Plan nicht auf. Denn Versicherungen sind nichts, was man wie eine Trophäe vor sich her trägt. Sie sind ein notwendiges Übel.

Es sind nicht nur die Werbenden, die ihre Kommunikationsmassnahmen teilweise selbst gestalten, denen das notwendige Fingerspitzengefühl fehlt. Oftmals sind selbst Profis nicht fähig, die einfachsten Regeln anzuwenden, die selbst Amöben beherrschen, um auf sich aufmerksam zu machen.

Ein sehr kleines Detail kann Ihnen helfen, gravierende Fehler zu vermeiden: Sie sind selbst Konsument. Stellen und beantworten Sie sich die Frage, wie Sie selbst angesprochen werden möchten und wenden Sie das Ergebnis auf Ihre Werbung oder Akquise an.

Vertrieb durch die Hintertür

Wenn Ihr Vertriebsmitarbeiter es nicht schafft, Ihr Produkt im Handel listen zu lassen, können Sie Ihren Vertriebsmitarbeiter vor die Tür setzen – oder sich selbst fragen, was Sie zu seiner Unterstützung beitragen können. Sollte Ihnen dazu keine passende Antwort einfallen, hier haben wir eine für Sie:

Es begab sich zu einer Zeit, als der damalige Hersteller des Fliesenklebers Ardal verzweifelt versuchte, seinen Klebstoff in den Regalen der Baumärkte unterzubringen. Die Außendienstler von Ardal wurden reihenweise von den Marktleitern abgewiesen. Häufigste Begründung: Man sei bereits bestens aufgestellt in diesem Segment.

Doch so einfach wollten die Ardal-Macher nicht aufgeben. Schließlich war man der Überzeugung, dass speziell für den Außenbereich ein deutlich besseres und frostsicheres Produkt aus den Ardal-Produktionshallen befördert wurde. Die positiven Argumente verpackten wir in einen amüsanten Radiospot, den wir mit dem Satz enden ließen „Nur im gut sortierten Fachhandel“. Anschließend schickten wir den Spot für vier Wochen auf die Funkwellen ausgesuchter Sender, deren Hörerschaft zum großen Teil von Hauseigentümern geprägt ist. Diese Zielgruppe lässt sich bequem mittels VuMA selektieren.

Das Echo des „gut sortierten“ Fachhandels ließ nicht lange auf sich warten. Bereits nach wenigen Tagen reagierten einige Filialbetreiber auf die einsetzende Nachfrage seitens der Verbraucher. Nicht selten sah sich nun so mancher Marktleiter mit dem Vorwurf konfrontiert, sein Markt sei eben nicht gut sortiert, wenn man dort keinen Ardal-Fliesenkleber kaufen könne. Diesem Vorwurf wollte man sich nicht länger aussetzen und gab sich geschlagen.

In ähnlicher Weise haben wir seither zahlreiche Produkte in den gut sortierten Drogeriemarkt, den gut sortierten Baustoffhandel, das gut sortierte Kühlregal oder in den gut sortierten Zeitungskiosk befördert. Produkte wie Unicare (Kontaktlinsenpflege), Rheinzink Dachentwässerung und Attends (Produkte bei Inkontinenz und Blasenschwäche), um nur einige zu benennen.

Ihrem Erfolg können wir auf die Sprünge helfen…

… oder Sie schauen einfach
zu, was andere machen.
Die Klöbers

Das Fenster, das niemand sieht

Was machen Sie eigentlich, damit Ihr Laden läuft? Social Media? Fernsehwerbung? Flyer? Anzeigen? Oder sind auch Sie der Ansicht, dass Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln unschlagbar ist, weil das Publikum da ja nicht weg kann?

Als Kreativer sollte man sich von Zeit zu Zeit dorthin begeben, wo auch die Zielgruppen seiner Kunden sich aufhalten. Denn nur auf diese Weise kann man verstehen, was die Menschen interessiert und wie sie sich verhalten. Da diese direkte Observation wesentlich aktueller ist, als jede Sozialstudie, habe ich in den vergangenen Wochen ergänzend zum Einkauf beim Discounter auch mehrfach die Berliner U-Bahn genutzt, um von A nach B zu gelangen. Nicht zuletzt, weil ein befreundeter Komiker gefragt hat, ob es nicht sinnvoll wäre, einen Spot für seine Auftritte im Berliner-Fenster – dem U-Bahn-TV – zu schalten.

An mehreren Tagen saß ich nun also in den polternden Wagen der U1, der U2, der U6, der U7, der U8 und vermutlich einiger weiterer Linien. Bevorzugt wählte ich die Züge der älteren Baureihen, die bereits umfangreich mit den Monitoren des Berliner Fensters ausgerüstet sind. Ich beobachtete meine Mitreisenden lang und genau, um festzustellen, womit sie sich während ihrer Reisen durch den Berliner Untergrund beschäftigen. So zählte ich zwischen zwei Stationen 37 Mitreisende. Davon waren 19 mit ihren Smartphones beschäftigt, 2 brüteten über Akten, 7 lasen Zeitung, 2 lösten Sodokus bzw. Kreuzworträtsel, 4 wischten auf ihren Tablets herum, einer schlief und 3 weitere waren in eine Unterhaltung vertieft, in einer nicht zu identifizierenden Sprache. Später befanden sich in einem anderen Zug 14 Mitreisende, von denen 2 hoffnungslos betrunken und demzufolge nicht aufnahmefähig waren, 6 waren mit ihren Smartphones beschäftigt, 2 schliefen (vielleicht waren sie aber auch tot…), 1 Frau las ein Buch, 2 Männer die Boulevardpresse. Einer jedoch, ja EINER glotzte auf den Monitor des Berliner Fensters.

Diese Statistik könnte ich nun in ähnlicher Form für sämtliche U-Bahnfahrten fortsetzen. Vielmehr beschäftigt mich jedoch die Frage, woher der Vermarkter des Berliner Fensters die Mediadaten in seiner Preiskalkulation nimmt. Der tatsächliche Gewinn meiner Reise durch den Untergrund besteht jedoch darin, dass ich nun weiß, womit sich die Berliner beschäftigen, wenn Sie im öffentlichen Personennahverkehr unterwegs sind. Daraus lässt sich auf jeden Fall etwas machen. Und von den Spotschaltungen für den Komiker im Berliner Fenster lassen wir mal besser die Finger…